Es liegt halt auch am Chef - Interview mit Siegmar Zajonc zur Digitalisierung im Handwerk

Posted by Robert Geselle - 2018-01-26 12:22:09

Die Digitalisierung im Handwerk ist kein einfaches Unterfangen, da die Notwendigkeit vielen Handwerkern vielen bewusst ist, aber die Umsetzung nur schleppend vonstatten geht. Wir sprachen mit Siegmar Zajonc, Geschäftsführer der JORDAN GmbH in Braunschweig über seine Erfahrungen, Strategie und die notwendigen Rahmenbedingungen für die Digitalisierung.

Nur 39% der Handwerksbetriebe messen der Digitalisierung eine hohe Bedeutung für den eigenen Betrieb bei. Wie sehen Sie die Digitalisierung im Handwerk – Chance oder notwendiges Übel?

Chance! Ich bin als Geschäftsführer gehalten die Firma für die zukünftigen Erfordernisse aufzustellen. Ein Teil ist es, den momentanen Anforderungen der Digitalisierung zu folgen und darum rüsten wir da sehr stark auf. Wir investieren im Rahmen dessen, was ein Handwerksbetrieb zu leisten vermag, aber wir bedienen alle Kanäle.

Wie sind Sie die Digitalisierung der Jordan GmbH angegangen?

Wir haben eine neue Webseite aufgesetzt vor drei Jahren, wir haben einen Facebook-Auftritt, wir haben den Heizungsrechner von Lokalleads und wollen den Bad-Budgetrechner installieren. Es ist aber noch nicht so, dass das in allen Bereichen voll umgesetzt ist. Die Digitalisierung scheitert bisher vor allem an der Digitalisierung der Dokumente vom Eingang bis zum Ausgang. Dabei sehe ich nicht nur die einzelnen Produkte als entscheidend an, sondern das Zusammenspiel der Software, die hinter dieser Digitalisierung steckt. Darauf wird momentan noch zu wenig Augenmerk gelegt.

Mehr Informationen zum Heizungsrechner und den Bad-Budgetrechner von Lokalleads finden Sie hier.

Wir haben jetzt eine Branchensoftware für die Auftragsbearbeitung, mit der wir versuchen die digitale Archivierung zu machen. Das klappt auch, aber nur rudimentär. Sie wird den kommenden Anforderungen jedoch nicht gewachsen sein. Da müssten sie eine Firma mit 1.500 Leuten sein, um das zu bewältigen. Besser wäre es eine Mini-Lösung für die Kleinstbetriebe und eine für die großen Betriebe, die 5.000 Euro für die digitale Archivierung ausgeben, anzubieten.

Wichtiger als einzelne Lösungen sind jedoch Kompatibilität und einheitliche Schnittstellen - das ist bei Ihnen ja auch GAEB oder UGL. Vielleicht ist ja sogar zu überlegen, dass, wenn das nicht richtig klappt, zu sagen das ist unsere Schnittstelle und ich kann dann zu meinem Softwareanbieter gehen und sagen: ”Programmiere es mir zu dieser Schnittstelle und nenne mir die Kosten“. Meist ist es ja doch kein Wunderwerk!

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Digitalisierung erfordert einen übergeordneten Blick – Gibt es eine Digitalisierungsstrategie in Ihrem Betrieb? Und wenn ja, wie weit in die Zukunft planen Sie?

Keine schriftliche. Unser Betrieb ist „Profi im Handwerk“ zertifiziert und auch „ISO9001“ zertifiziert und wir haben unternehmerische Ziele. Aber diese sind eher global gefasst. Also – so wie ich mir vorstelle, wie mein Betrieb mit 65 aussieht. Dadurch haben wir natürlich auch ein Vorankommen, da wir ein Fernziel haben. Wir versuchen natürlich nicht in den Tag hineinzuleben, sondern auch in eine Richtung zu marschieren und Verbesserungen – egal in welchem Bereich – zu erzielen, ob das Mitarbeiter, Kunden oder die Firma betrifft. Eine reguläre EDV-Strategie haben wir nicht.

Auch, wenn Sie keine feste Digitalisierungsstrategie in Ihrem Betrieb haben: Wie sehen Sie den aktuellen Digitalisierungsstand Ihrer Firma?

Eigentlich zu gering, aber im Wettbewerb hoch. Natürlich ist alles was ich erzähle zu 100 % so gewollt, 60 % haben wir ca. bisher erreicht. Es ist also immer noch eine riesengroße Differenz zwischen Traum und Wirklichkeit. Aber dadurch, dass wir immer weitermachen, haben wir zwar immer noch diese 40 % von dem was ich möchte, aber wir haben dann im nächsten Jahr eben 61 % oder 62 %, es geht ja immer weiter, der Vorsprung bleibt.

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"Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist die zunehmende Komplexität und Geschwindigkeit der Prozesse eine große Herausforderung", sagt Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE). Suchen Sie sich Unterstützung und wie nehmen Sie die Unterstützung bei der Digitalisierung von Bund und Land wahr?

Eine Unterstützung für die Digitalisierung kenne ich nicht, aber wir nutzen zeitweilig Fördermittel in der Strukturierung und Mitarbeiterentwicklung. Aber das ist auch nicht immer lohnenswert, weil die normal üblichen Fördergelder die zumeist 50% von der Investitionssumme betragen, den Aufwand der Beantragung nicht rechtfertigen. Bei einer Investition von 5.000,00 Euro oder 6.000,00 Euro erhalten wir ca. 2.500,00 Euro Rückerstattung, aber dafür haben wir mindestens zwei Wochen Aufwand mit den Anträgen. Es ist sicherlich nicht immer so, wir haben auch schon Fördergelder beim Bau eines Hauses in Höhe von 40.000,00 Euro erhalten, also manchmal lohnt es sich schon.

Einen ersten Überblick über aktuelle Fördermöglichkeiten zur Digitalisierung im Handwerk bietet das Institut für Digitale Transformation (idt) hier.

Es ist auf jeden Fall erforderlich, dass man die entsprechenden Mitarbeiter, die das letztendlich umsetzen sollen, mit einbindet, damit diese dann auch erkennen können, was damit überhaupt bezweckt werden soll. So hört sich das alles ja immer eher nicht so einfach und wie Geschichtenerzählen an und es ist schwierig, das zu vermitteln. Wir sind da auch im Anfangsstadium, so wie die Digitalisierung und die Mitarbeiterentwicklung, da sind noch Potentiale.

Noch mal kurz zurück zu der Unterstützung von Bund und Land: Das Hauptproblem in Ihrem Fall war ja eher die Bürokratie, also zu viel Aufwand mit zu wenig Ergebnis. Gibt es weitere Forderungen die Sie stellen zur Unterstützung der Digitalisierung? Wo müssten Bund und Land mehr tun, also abgesehen von der Schaffung der Infrastruktur?

Grundsätzlich, sage ich mal bei allen Förderungen, glaube ich nicht, dass es unbedingt erforderlich ist um voran zu kommen eine Förderung zu erhalten. Die Förderungen die ich bisher erhalten habe waren nicht unbedingt entscheidend für die Durchführung der Vorhaben, dafür sind sie einfach zu gering gewesen. Wenn ich den Gesamtkosten-Aufwand z.B. für den Neubau sehe von ca. 1 Million Euro, dann sind die 40.000,00 Euro Fördergeld wirklich nicht maßgebend. Natürlich ist es im Einzelfall damals für mich wichtig gewesen, aber es hätte meine Entscheidung nicht beeinflusst. Und so würde ich das auch bei den anderen verstehen.

Ich glaube ja, da muss etwas verändert werden in der Bewilligung und auch in der Auflegung von solchen Förderprogrammen, aber da muss eigentlich mehr Wert darauf gelegt werden, dass Initialstrategien gefördert werden oder bei Produkten – so wie bei Photovoltaik. Mich hätte es gefreut, bevor wir Millionen für Flächenförderung ausgeben, dass wir einfach mal 2 Milliarden nehmen und so eine Zelle so weit entwickeln, dass sie High End ist und dass das Kosten/Nutzen-Verhältnis fast pari ist.

Dann kann man noch mal zwei Jahre Übergangsförderung machen und danach muss die Sache von selber laufen. Anstatt eine 25 Jahre-Finanzierung zu machen und keiner hat etwas davon. Ja und sich dann zu brüsten, dass man irgendwo in irgendeiner Industrie 60.000 Arbeitsplätze geschaffen hätte – die hätte ich auch geschaffen, wenn ich nichts gemacht hätte und das Geld genommen und die 60.000 bezahlt hätte. Das ist immer so ein Irrglaube von Politikern, ich weiß gar nicht was das soll!

Nun kurzfristig stimmt wohl die Statistik ...

Ja, das dümmste was ich bisher gehört habe, schon 30 Jahre her, es gab viele Lehrlinge und keine Lehrstellen, da war ich in der Stadthalle und da hat eine Politikerin aus dem Landtag aus Hannover in Braunschweig gesagt, dass sie sofort handeln werden und sie werden 1.000 zusätzliche Verwaltungsfachangestellte ausbilden. Da habe ich nur gedacht, ich weiß gar nicht wo du hergekommen bist! Du willst 1.000 Leute auf Staatskosten zusätzlich ausbilden, die keiner braucht und das Schlimmste ist, die sind dann fertig und werden immer noch nicht gebraucht. die sie haben was gelernt was erst recht keiner braucht. Also so was….

"Wir brauchen eine Berufsbildung 4.0", sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) anlässlich der Präsentation einer Studie zur Nutzung digitaler Medien in betrieblicher Aus- und Weiterbildung. Das Ministerium will die Digitalisierung in der beruflichen Bildung besonders fördern. Ist die Digitalisierung ein Vorteil um junge Leute für den Beruf und den eigenen Handwerksbetrieb zu begeistern?

Ich bin der Meinung, dass die Ausbildung im Handwerk eher schlecht ist und eine Verbesserung eintreten muss. Im Zusammenhang mit dem „Profi im Handwerk“ gab es eine Initiative die sich - Lernen im Kundenauftrag – nennt. Diese Initiative ist zusammen mit der Universität Bremen entwickelt worden und entwickelt Strukturen und Überwachung, was man wie einem Auszubildenden beibringt. Wie man überwacht, dass es letztendlich tatsächlich auch erfolgreich ist und die Lehrlinge gewissen Anforderungen genügen. Sie sollen dann nach zwei Jahren in die praktische selbstständige Arbeit gehen, die fremdüberwacht ist durch einen Meister oder Gesellen, und diverse Kriterien erfüllen. Ich wollte immer ein solcher Ausbildungsbetrieb werden und an dieser Initiative teilnehmen, es waren aber nie Plätze frei oder ich habe den Termin verpasst.

Lernen Sie die Anforderungen an moderne und interessante Ausbildungsbetriebe hier im Blogbeitrag "Digital Natives im Handwerk" kennen.

Sie haben nun viele Aspekte und Voraussetzungen für die Digitalisierung des Handwerkbetriebes aufgezeigt. Was raten Sie denn anderen Handwerksbetrieben in puncto Digitalisierung?

Ich rate denen, dass sie, bevor sie sich digital strukturieren, sich erst einmal intern strukturieren sollten um dann umgehend mit der Umsetzung der Digitalisierung wie z. B. Webseite, Email-Adressen mit Firmennamen, Facebook-Auftritt usw. zu beginnen. Aber das alles nützt nichts, wenn eine E-Mail ankommt und dann nicht zeitnah beantwortet wird. Das wird beides nur zusammen funktionieren! Nur allein deshalb, weil ich eine Website habe, wird sich nichts verändern und Aufträge fliegen mir nicht ins Haus!

Also schneller reagieren und auf die Kunden zugehen? Weil der persönliche Kontakt im Handwerk ja trotzdem wichtig bleibt.

Und es wird noch schlimmer, weil man ja noch schneller antworten muss, weil die Postlaufzeit wegfällt und man kann sich ja nicht verstecken wie beim Telefonanruf - wenn man einfach mal nicht rangeht. Eine E-Mail ist einfach da und der Kunde wartet auf Antwort!

Vielen Dank für das Gespräch und die Einsichten in die Praxis Herr Zajonc!


Die Schwerpunkte der Leistungen der JORDAN GmbH in Braunschweig sind Elektro, Sanitär, Klima und Heizung. Sie wurde 1976 wurde gegründet.und beschäftigt momentan 20 Mitarbeiter. Im Februar 2015 wurde die JORDAN GmbH zum "Profi im Handwerk" zertifiziert. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer Siegmar Zajonc. Mehr über die JORDAN GmbH erfahren Sie hier.




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